einleitung
weissenhof
dammerstock
villen
wohnungsbau
=> alker-block (karlsruhe)
=> wohnblock (karlsruhe)
=> im wallmer (stuttgart)
=> siege-bau (mannheim)
=> f-e-wohnhof (stuttgart)
=> wohnhaus (stuttgart)
verschiedenes
bibliographie
impressum
"





Gar seltsam war diese Zeit: da konnte man ganz im Sinne des Neuen Bauens Architektur schaffen und trotzdem hinter der die Richtung weisenden Avantgarde hoffnungslos zurückbleiben! Die CIAM, die Vereinigung der international führenden modernen Architekten hatte längst schon beschloßen, wie die Wohnungsknappheit der Zeit zu beheben sei:  4-geschossige Zeilen in strenger Ost-West-Orientierung, senkrecht zu den Erschließungsstraßen - im übrigen in Reinkultur zu erleben in der vom sogenannten Alker-Block nur zwei Kilometer entfernten, von Walter Gropius und Otto Haesler konzipierten Dammerstock-Siedlung.
     Der Städtebau des Funktionalismus hatte sich  in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre rasend schnell entwickelt. Binnen zwei bis drei Jahren vollzog man einen Wandel von der Blockrandbebauung mit begrünten, von Gebäuden freigehaltenen Höfen, über Zeilen, die parallel zu den Straßen standen, hin zu genannten senkrecht zur Haupterschließung plazierten Zeilen [1].

[1] Dietmar Reinborn "Städtebau im 19. und 20. Jahrhundert"   1996  W. Kohlhammer GmbH    S.104-108, exemplarisch am Beispiel des "Neuen Frankfurt" dargelegt
_
1


  
_
_
_










Hermann Alker reagierte also tatsächlich eher rückständig indem eine geschlossene Blockrandbebauung entwarf. Nicht daß andere Architekten des Neuen Bauens solche nicht auch verwendet hätten: Ernst May schuf für das "Neue Frankfurt" einen hochinteressanten gezackten Block in Frankfurt-Niederrad und einen veritablen Mega-Block am Bornheimer Hang; Bruno Taut zeugte einen dreieckigen Block für die hochgerühmte Hufeisen-Siedlung Berlin-Britz; Erwin Gutkind schuf eine ganze Reihe phantasievoller Blöcke in Berlin - um nur einige Architekten anzuführen. Sie alle aber ließen ihre Blöcke einige (de facto wenige) Jahre zuvor entstehen - für die sich rasch wandelnde Doktrin des Internationalen Stils waren das veritable Welten. Die oben genannten Größen jedenfalls hatten sich zu Beginn der 30er Jahre schon einer mehr oder minder stringenten Zeilenbauweise zugewandt.
     Aus heutiger Sicht dagegen erscheint die damalige Debatte zweifellos überhitzt. Alkers städtebauliche Lösung ist gewiß gut: an dieser verkehrsreichen Stelle zeigt sich der geschlossene Block gar als einzig richtige Lösung. Der grüne, baumbestandene Hof bedeutet jedenfalls eine Oase der Ruhe - mit Zeilen, egal welcher Orientierung, hätte man dergleichen nie erreicht.
_
2


  

_
_
_









Lohnenswert ist auch der Blick auf die Architektur. Alkers Block unterscheidet sich natürlich fundamental von historischer Blockrandbebauung (von der Antike bis ins beginnende 20. Jahrhundert): keine Parzellierung (verschiedene Grundstückseigner) und damit natürlich auch keine reizvolle Sammlung verschiedener, heterogener Formsprachen - nein, dieser Blockrand wird homogen von nur einem Geist durchweht. Die Großform ist nicht durch Kleinteiligkeit überspielt, sondern als solche erlebbar. Während beim historischen Block das jeweils einzelne Haus einen kleinen Maßstab evoziert, herrscht hier durch die Großform der Eindruck eines sehr großen Gebäudevolumens.
     Im übrigen besteht dieser Block hochinteressanterweise auch aus den damals so "modernen" Zeilen. Man findet gleich sechs Zeilen (je zwei an den Längs- und je eine an den Querseiten), die sich über erhöhte Torgebäude oder zurückgestaffelte niedrigere Ecken zu einem geschlossenen Blockrand vereinen. Das ist sehr wichtig, bedeutet dies doch nicht geringe Originalität: die meisten Blöcke des Internationalen Stils - auch die oben erwähnten - erreichten eine solche Differenziertheit keineswegs. Diese nämlich waren vielmehr als sehr lange zum Block "geknickte" Zeilen konzipiert. Eine stark verschiedene Herangehensweise also. Origineller und mit Option auf mehr Lebendigkeit erscheint Alkers Entwurfsansatz.
     Auch in der Architektur kann Alker mit den zuvor genannten Größen durchaus  mithalten. Insbesondere die lebendige kubische Durchformung, seien es nun die Torgebäude, Blockecken oder die plastisch stark in Erscheinung tretenden Balkonformationen, weiß zu gefallen und vermeidet drohende Monotonie (lediglich die Ost-Straßenseite fällt ab). Ansehnlich ist auch der Umgang mit den Fenstern, welche in der Fassade nur wenig zurücktreten und damit zu Leichtigkeit verhelfen (die angedeuteten Übereck-Fenster sind hier in erster Linie zu nennen).
_
3


  

_
_
_
_
_









 

Auch das leicht liegende Fensterformat ist gut gewäht, es sorgt für subtile, nicht drückende Horizontalität. Eine sehr gute Wirkung erzielen des weiteren die Mezzanin-Fensterbänder, die der Fassade einen wohltuenden horizontalen Abschluß verleihen und die notwendigen "Gegenspieler" zur häufig eingesetzten Vertikalen (Treppenhausver-glasungen und Loggien-Formationen) bilden. Beachtlich schließlich der Waschbetonsockel, der aufgrund seiner Fugenlosigkeit gefällt (vor-Ort-Fertigung; auch Ernst May setzte ihn so ein [2]). Mit den von der Nachkriegsmoderne eingesetzten Waschbetonplatten teilt er jedenfalls nicht die heutigentags eher abschreckende Wirkung.
Der Grundriss der Wohnungen zeigt sich dagegen weniger zufriedenstellend. Hier kommt der Fluranteil einfach zu groß, außerdem läßt die Zuordnung der Balkone zu wünschen übrig. Kurzum es handelt sich um funktionierende, aber ein wenig bieder wirkende Gebrauchswohnungen. Hier fällt Alker weit hinter die oben genannten Entwerfer zurück.
Fazit: In Baden-Württemberg erweist sich der Alker-Block ohne Zweifel als die ansehnlichste Variante einer Blockrandbebauung, aber auch bundesweit kann er aufgrund seiner aufgezeigten Originalität ohne weiteres Aufmerksamkeit beanspruchen. Also durchaus eine Sehenswürdigkeit in Karlsruhe, das weit bekannter ist für seinen barocken Fächer-Stadtgrundriss und dessen Ausgangspunkt , das ehemalige Residenzschloss, sowie die klassizistischen Monumentalbauten Friedrich Weinbrenners, wie der Marktplatz, die Stephanskirche, die Münze, das Stephanienbad und das Markgräfliche Palais
Nota Bene: hinter den großen Atelierfenstern im Innenhof hatte einst Egon Eiermann, ein bekannter Architekt der zweiten Generation der Moderne, sein (würdiges) Büro.

[2] Ernst May verwendete ihn in ebenso ansehnlicher Fassung z.B. für die Siedlung Frankfurt-Niederrad ("Zick-Zackhausen") von 1926-27
_
4


  

_
_
_
_
_









            5


 


_
_
_
_
_
_
_
_
__
_
_
_
_


90744 Besucher (187136 Hits)
"
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=