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Moderne light gefällig? Spöttisch gestimmt könnte man Josef Zizlers Friedrich-Fröbel-Schule in Mannheim auf solche Weise überschreiben.
     Zizler war Amtsleiter des städtischen Hochbauamtes in Mannheim, in dessen Verantwortungsbereich u.a. die Errichtung dieser Schule fiel. Nach den modernen Lehren Friedrich Fröbels wurden hier Kindergarten-Betreuerinnen aus- und weitergebildet. Zizler war sowohl vor den 20er Jahren als auch nach 1933 ein traditionell gestaltender Architekt [1]. In den 20er Jahren jedoch sprang er auf den "modernen Zug" und führte dabei das städtische Hochbauamt mit sich.
     Gewiß, damit richtete Zizler seine Fahne einfach nach dem Wind. Fairerweise gilt es aber zu bedenken, daß Zizlers Entscheidung durchaus eine mutige war: das Neue Bauen hatte gerade zu Beginn der 1920er in der traditionellen Architektur nachwievor einen dominierenden Gegner - Josef Zizlers Umorientierung war damit alles andere als selbstverständlich. Und Letztendlich wäre der Internationale Stil ohne das städtische Hochbauamt, das dank Zizler mehrere moderne Bauten in Vorreiterrolle errichtete, in der "Quadratestadt" Mannheim nur umso schwerer angenommen worden.

Warum aber Moderne light? Gerade stellten wir fest, daß Zizler vor seiner Umorientierung ein traditionell agierender Architekt war. Und genau diese Gesinnung sollte noch einen großen Einfluß auf die Gestaltung des Fröbel-Seminars nehmen.
     Sicher, Zizler verleibte sich moderne Formprinzipien ein: kubische Gestaltung, Flachdach, weißer Verputz, liegende Fensterformate und natürlich die vielbeschworene konsequente Ornamentlosigkeit. Diese Prinzipien jedoch übertrug er auf eine altbewährte - will heißen unmoderne - Gesamtkonzeption: symmetrische Gebäudeanlage mit dominierendem Mittelbau und niedrigen Seitenflügeln, deren Endpunkte abschließend jeweils einen Vertikalakzent erhielten, hier in Form zweier Schornsteine (existieren heute leider nicht mehr) [2].
     Diese Konzeption nun war hervorragend geeignet um die traditionell bestimmte Masse der Betrachter nicht zu verschrecken, mußte aber auf die eigentlichen Qualitäten moderner Gestaltung verzichten.
     Diese lagen keinesfalls einfach in den zuvor aufgezählten Attributen, sondern in der Fähigkeit des Architekten asymmetrische Gebäudemassen harmonisch und zugleich spannungsreich zu gliedern und ihnen durch eine klar formulierte Horizontale, nebst filigraner Detailarbeit "moderne" Leichtigkeit zu verleihen.

[1] Monika Ryll    Architektur in Mannheim    1994  Edition Quadrat  Mannheim    S.39, S.73 ff
[2] Andreas Schenk    Architekturführer Mannheim    1999  Dietrich Reimer Verlag GmbH  Berlin    Abbildung S.206  zeigt den ursprünglichen Zustand
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Solche Qualitäten kommen beim Fröbel-Seminar nur ansatzweise zum tragen. Die Leichtigkeit z.B. wird von ungewöhnlich stark akzentuierten Fenstersprossen und optisch schweren Fensterbänken und Flachdachgesimsen aus Sandstein konterkariert. Auch die Horizontale erhält abgesehen von den niedrigen und damit automatisch lagernd wirkenden Seitenflügeln kaum Unterstützung.
    Geradezu plump wirkt die dem Schloßgarten zugewandte Seite: zu sehr dominiert der mittlere Gebäudeteil, die Seitenflügel verschwinden förmlich - eindeutig eine (vernachlässigte) Rückseite.
     Doch genug jener einseitigen Kritik. Das Gesamtbild der Eingangsseite nämlich ist ohne weiteres gelungen; die Gebäudeteile sind gut zueinander proportioniert. Moderne und traditionelle Prinzipien gehen eine durchaus interessante Symbiose ein. Im strengen Sinne des internationalen Stils mag das Fröbel-Seminar nicht brillieren, durchaus wichtig ist es aber als Bindeglied zwischen noch traditioneller und fortschrittlichster Formgebung. Wir sehen hier eine Moderne vor uns, die keineswegs aggressiv alles Historische von sich wirft - eine eher evolutionäre, nicht revolutionäre Moderne.
     Letztere aber setzte sich letztendlich durch, eben der kompromißlose Stil der Größen Le Corbusier, van der Rohe, Gropius, etc. - die andere Moderne, eine noch versöhnliche, geriet alsbald in Vergessenheit.
     Indessen von einfacher, klar strukturierter Machart der Grundriß. Das umfangreiche Raumprogramm, welches neben den Unterrichtsräumen für die Kindergarten-Betreuerinnen auch eine Hausmeisterwohnung, einen Kindergarten, eine größere Küche und selbstredend zahlreiche Nebenräume umfaßte, ward in einen T-förmigen Grundriss gegossen. Alle Zimmer genießen Ausblick ins Grüne. Außerdem laden gleich drei große Dachterrassen zum Verweilen im Freien ein. Licht, Luft, Sonne - die Grundforderungen der Moderne - bieten sich fast im Übermaß dar! Einen solchen Ort hatte die Seminarleiterin Rosa Grünbaum gewünscht: ihre Eleven sollten sich in natürlicher Umgebung frei entfalten; diese positive Grunderfahrung anschließend an die zu betreuenden Kinder weitergeben.

Fazit: Zizlers Föbel-Seminar verdient gewiß positive Wertung. Das gilt der eindeutigen Funktionserfüllung, aber auch der Gestaltung, allen voran der Vorderseite als einem beachtenswerten Bindeglied zwischen historischer und moderner Formgebung. Der historische Anteil schlägt überdies konkrete Brücken in Vergangenheit, lässt das Bauwerk also nicht aus dem Nichts auftauchen, sondert bindet es alller moderner Bestrebung in die Kontinuität der Bauhistorie ein. Als Wurzelnkann der regionale Klassizismus des Vorgängerjahhunderts gelten, seinerzeit bekannte Gebäude wie Friedrich Weinbrenners Schloss Rotenfels  oder Friedrich Dyckerhoffs Stadtpalais in Mannheim. Vor diesem Hintergrund wirkt die Vorderseite der Fröbelschule durchaus wie eine rationalistische Interpretation klassizistischer Baukunst.
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